Musiktherapie an der Akademie Hamburg für Musik und Kultur

Musiktherapie und Selbsterfahrung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene


Wann ist Musiktherapie sinnvoll?

bei Wahrnehmungs- und Sprachstörungen, emotionalen Störungen, Depression, Krisenbewältigung, Verarbeitung von Krankheit oder Verlust, Burn-Out, chronischem Schmerz und geistiger Behinderung, um innere Kraftquellen aufzuspürenum die seelische, körperliche und geistige Gesundheit zu fördern

Wie funktioniert Musiktherapie?

Durch das Medium Musik gelingt es oft besser, einen nonverbalen Kontakt zu Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen aufzunehmen. Gearbeitet wird mit Geräuschen und Rhythmen, Tönen und Melodien. Besonders für Kinder, deren verbale Kommunikation erschwert oder sogar unmöglich ist, ist Musik ein Weg zur Interaktion und zum Dialog mit anderen. Da, wo eine Beziehung mit Worten schwierig aufzubauen ist, können wir durch musikalische Aktivitäten in eine Beziehung zueinander treten. Musikmachen im therapeutischen Sinne ist frei von Leistungs- oder Lernerwartungen. Musik bekommt eine motivierende und aktivierende Funktion und hilft,  Emotionen auszudrücken und das körperliche und seelische Gleichgewicht (wieder)herzustellen. Spezifische Probleme oder Störungen, die sich aus einer Beeinträchtigung ergeben, können mit Hilfe von Musiktherapie kompensiert werden.

Welche Musikinstrumente stehen zur Verfügung?

Eine Vielzahl leicht spielbarer Instrumente aus unterschiedlichen Kulturen wie Klangschalen, Surdo, verschiedene Trommeln, Hapi etc. stehen zur Verfügung. Kinder, Jugendliche oder Erwachsene werden dazu ermutigt, sich einzeln oder zusammen mit dem Therapeuten / der Therapeutin auf diesen Instrumenten auszudrücken.
Dabei geht es nicht darum, ein festes Musikstück zu erlernen, sondern darum, seinen Stimmungen und Gefühlen Ausdruck zu verleihen, sich selbst Resonanz zu geben und zu erleben. In einem weiteren Schritt sollen diese Erfahrungen in die persönlichen Alltagsbezüge integriert werden.

Welche Ziele kann das musiktherapeutische Angebot je nach Krankheitsbild haben?

Emotionale Stabilisierung, Stärkung und Wiedererweckung des Identitätsgefühls, Erweiterung der Wahrnehmung für sich und andere,     Förderung emotionaler Ausdrucksqualitäten, Förderung der sozialen Kompetenz,(Wieder-)Erlangen von Lebensfreude

Lukas Boeddinghaus ist nicht nur Dipl.Psychologe mit Schwerpunk Klinische Psychologie sondern auch Musiker und Schlagzeugpädagoge.  Er betreut federführend das Projekt Musiktherapie an der Akademie Hamburg für Musik und Kultur.

„Ich möchte mit Musiktherapie einen Rahmen schaffen, der Menschen dazu einlädt, sich darin selbst zu erkunden und auszudrücken. Das Angebot richtet sich an Menschen mit unterschiedlichsten Geschichten und Hintergründen. Es kann genauso gut als einmalige Selbsterfahrung wie als längerfristige Therapie genutzt werden. Ich vermeide bewusst Störungsbilder aufzulisten, da die Gefahr Stigmatisierung besteht. Im Vor- bzw. Erstgespräch wird jedoch vertraulich und im geschützten Rahmen eine Anamnese durchgeführt, um die Therapie bestmöglich anzupassen. Ich bin neugierig darauf Menschen kennenzulernen und gemeinsam durch Gespräch, Beziehung und Musik in einen heilsamen Kontakt zu treten. Unterstützend laden neben Klangschalen und Trommeln auch ungewöhnliche Instrumente wie Hang-Drum und Hapi dazu ein.“

Lukas Boeddinghaus


Musiktherapie oder Musik-Gestalttherapie gehören nicht zu den Regelleistungen der Krankenkassen. Wir bitten Sie, sich selber für diese Kostenübernahme bei ihrer Kasse einzusetzen, um unsere Arbeit auch bei den Kostenträgern ins Bewusstsein zu bringen.



Zum Weiterlesen (Quellen)


Das Gehör ist das am frühesten entwickelte Sinnesorgan des Menschen (mit überdeutlich mehr neuronalen Verbindungen zum Gehirn als z.B. das Auge). Ab etwa dem 4. Schwangerschaftsmonat nehmen wir über Töne, Klänge und Geräusche unsere Umwelt wahr und treten in Kontakt mit ihr. Lange vor (und jetzt neben) der Sprache nutzen wir Menschen musikalische Elemente, um uns in der Welt zurechtzufinden und unsere Gefühle mit anderen zu teilen. Gefühle wie Trauer, Wut und Freude etc. haben in unterschiedlichsten Völkern gleiche körperliche Ausdrucksform (lachen, weinen...). Auch in der Musik gibt es universelle Darstellungen dieser Gefühle. Die Stimme als körperliches Instrument teilt uns unmittelbar Stimmung und  Befindlichkeit eines Menschen mit. Mit Instrumenten kann Empfindung, Gefühl und Meinung Ausdruck verliehen werden.

Musiktherapie geht von einer Entsprechung psychisch-leiblicher und musikalischer Vorgänge aus.

Die Methode der freien Improvisation ist von zentraler Bedeutung. Freies Spiel ohne Noten oder sonstige Vorgaben ermöglicht, ohne Worte Gefühle auszudrücken, die sonst nur schwer zu artikulieren sind. Es entsteht Musik im Sinne eines spontan spielerischen und experimentierenden Umgangs mit Klang, Ton, Geräusch und der eigenen Stimme. Manchmal sind auch stärker strukturierte Vorgehensweisen wie z.B. gemeinsames Singen oder das Anhören ausgewählter Musikstücke, ... therapeutisch indiziert. In beiden Fällen wird die rational menschliche Seite entlastet, Neugierde und Experimentierfreude werden angeregt. Werden die musikalischen Äußerungen angemessen aufgegriffen und verstanden, können schöpferische, selbstregulative und kommunikative Fähigkeiten (wieder) lebendig und wirksam werden.

Jenseits von musikalischem Leistungsdruck finden Rhythmisches wie Chaos, Geordnetes wie Verrücktes, Helles wie Dunkles, Nähe und Distanz ihren Platz. Hier läßt sich auch das mit Musik ausdrücken und erinnern, was sich mit Worten nicht sagen läßt. Die Instrumente sind vielfältig und in ihrer Mehrzahl oft den meisten unbekannt. Sie sind so gewählt, daß sie spontan leicht spielbar sind und so jede und jeder (auch ohne musikalische Vorkenntnisse) das jeweils stimmige Ausdrucksmittel finden kann.

Aus der Art des Umgang mit dem Instrumentarium und dem musikalischen Habitus/ musikalische Biographie des Gegenüber können sich Ansätze für Diagnose und Therapie ableiten lassen. Oft haben Instrumente an sich schon einen Symbolcharakter (Volksmund: "auf die Pauke hauen“, die „erste Geige spielen" oder mal andere „Saiten" aufziehen "etwas anklingen lassen"...  "der Ton macht die Musik"... "ich bin ganz Ohr"...). Eine Konfrontation mit diesem öffnet schnell Grundkonflikte, die dann durch therapeutisch geleitetes Probehandeln auf den Instrumenten sowie durch die Aufarbeitung im therapeutischen Gespräch einer Lösung zugeführt werden können.

Musiktherapie für KINDER

Hier geht es darum, die Kinder mit Musik in ihrer Entwicklung zu fördern. Musiktherapie bietet für Kinder mit emotionalen Problemen oder Kontaktschwierigkeiten die Möglichkeit, sich jenseits der Sprache auszudrücken. Kindern fällt es oft schwerer als Erwachsenen, die eigenen Befindlichkeiten und Bedürfnisse in Worte zu fassen. Der Ausdruck durch das freie Spiel auf einfach zu handhabenden Musikinstrumenten ist jedoch meist sofort möglich. Hierdurch werden innere Vorgänge deutlich, gemeinsam kann ein Weg zur Problemlösung gesucht und Spannungen abgebaut werden.

Regelmäßige Gespräche finden mit den Bezugspersonen statt, die Therapie im Einzelsetting.

MUSIKTHERAPIE für MENSCHEN mit GEISTIGEN und KÖRPERLICHEN BESONDERHEITEN

Musik ist immer verbunden mit Gefühlen, diese leisten einen entscheidenden Beitrag zur erfolgreichen Gestaltung einer Therapie. Gerade Menschen mit Behinderung spricht diese Art der Therapie besonders an, weil sie in erster Linie als Mensch und nicht als Behinderte wahrgenommen und angenommen werden.

Die Musiktherapie ermöglicht, die (geistige) Behinderung hörbar, spürbar und nachvollziehbar zu machen, um den behinderten Menschen besser verstehen und erleben zu können. Unaussprechliches kann hörbar gemacht werden. Mit leicht spielbaren Instrumenten können Gefühle und Stimmungen ausgedrückt werden. Die Musik ist vor allem für nichtsprechende Menschen ein ideales Ausdrucks- und Kommunikationsmittel. Über Musik kann ohne Worte kommuniziert werden. Bei der Musik- und Spieltherapie für Menschen mit Autismus liegt das Augenmerk zunächst im Herstellen des Kontaktes. Auf dieser Basis können Prozesse in Gang kommen, die es den Menschen ermöglicht, sich auf neue Erlebnisse und Kontakte einzulassen. Wahrnehmungsförderung, Veränderung im Kommunikations- und Sozialverhalten und dem neuen Umgang mit Emotionen stehen im Focus.

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